AHA's Blog

Die neue Kulturtechnik „Information Literacy“ | 14. September 2010

In einem Beitrag zu Mediaculture online betrachtet Professor Dr. Hans Kübler das Feld der Medienpädagogik und deren wechselnde Zielsetzungen. Er setzt sich mit der Diskussion um den Begriff der „Medienbildung“ auseinander und analysiert potentielle Inhalte und Ziele zwischen der Begegnung einer „Medienverwahrlosung“ und der Informationsdidaktik (information literacy).  Der Autor stellt dar, daß sich Lernziele im Bereich der Medienpädagogik in der Vergangenheit, nach dem Überwinden der reinen Bewahrpädagogik,  an der Ausbildung von technischen Fertigkeiten  und einem technischen Verständnis im Umgang mit dem Computer orientierten. Heute läge die Betonung zwar stärker auf den Anwendungsbezug, aber es werden dennoch überwiegend Bedienfertigkeiten gelehrt. Andere Medien, z.B. der Umgang mit den Massenmedien, würden in der Medienbildung weitestgehend getrennt davon behandelt.  Ein schlüssiger, umfassender in die allgemeinbildenden Fächer integrierter Lehrplan für alle Medien und alle Schulformen existiere nicht oder nur in separierten Bruchstücken. Die Ausbildung von Bedienfertigkeiten würden zu dem noch durch die rasante Weiterentwicklung der Benutzer-schnittstellen zu intuitiven,  intelligenten Bedienoberflächen an Wert und Nachhaltigkeit verlieren. Was bliebe dann noch zu lehren und lernen? Mit der sich entwickelnden Werschätzung und Nachfrage von Wissen und Wissensträgern in der Gesellschaft könnte, so der Autor, die Informationsdidaktik als Übersetzung von „information literacy“ die Lücke füllen. Die Medienbildung orientiere sich dabei an der Vermittlung von Fähigkeiten im Umfang mit der Informationsflut. „information literacy“ beschreibt das Vermögen zu erkennen, wann welche Art von Informationen benötigt werden und die Fähigkeit benötigte Informationen zu finden, zu bewerten und sie effektiv zu verwenden. Dabei sind die Informationsquellen nicht auf die technischen beschränkt, sondern diese Betrachtung schließt alle verfügbaren Arten von Quellen (technische Medien, Printmedien, Experten, Organisationen) ein. Der Autor stellt sich daraufhin sofort die Frage, was information literacy dann aber noch von Allgemeinbildung unterscheidet, ob diese nicht zumindest eine Basiskompetenz für alle Bildungsbereiche sei, weil sie die Fähigkeit zum Lernen selbst darstellt, und er  schliesst daraus, dass Medienbildung doch dann wohl nur ein Teil von information literacy sei.

Der Autor sieht die Medienbildung selbst im Kreis drehend  und meint nur dadurch den Kreis durchbrechen zu können, wenn Bildungs- und Lernziele nicht in Abhängigkeit technischer oder ökonomischer Gegebenheiten entworfen werden,  sondern allenfalls vor dem Hintergrund dieser Gegebenheiten, jedoch beim Menschen selbst beginnend.

Wenn ich den Autor so richtig verstanden habe, dann stimme ich ihm zu, dass information literacy
-in der Moderne ein wichtiger Bestandteil der Allgemeinbildung sein sollte, weil sie grundlegende Fertigkeiten mitbringt, das eigene Lernen zu organisieren, – und sicherlich auch diesen Querschnittscharakter hat, weil sich informieren, Informiertheit und die Handhabung von  Informationen und Informationsquellen nicht der Selbstbefriedigung dienen sollte (bei manchen Menschen mag das wohl so sein), also ich meine keinen Selbstzweck erfüllt, sondern für das Weiterkommen in Situationen, Aufgaben und Problemstellungen benötigt werden, die unabhängig von ihr existieren.

Ich stimme auch zu, dass Medienbildung nur einen Teil zu diesen Kompetenzen beisteuert, nämlich dann, wenn es um den Zugriff auf, die Darstellung, die Handhabung und die Bewertung von Informationen geht, die über technische, mediale Quellen bereitgestellt werden. Also der Begriff Medienbildung ist hier sicherlich nicht deckungsgleich, aber auch aus dem Grunde nicht, weil Medienbildung in meinen Augen auch noch mehr als information literacy ist. Medienbildung umfasst neben den instrumentellen Kompetenzen und dem strukturellen Verstehen , die meines Erachtens weiterhin von Wichtigkeit bleiben wird, auch wenn sie vielleicht in ihrer Ausprägung immer wieder den neuen technischen Gegebenheiten angepasst werden müssen – das ist meiner Meinung nach eine Problematik der Lehrplanentwicklung und des Lehrplan-Managements, die dem technischen Fortschritt hinterherhinken – doch auch die Ausbildung der Ausdrucks- und Gestaltungsfähigkeiten mit medialen Instrumentender und insbesondere die auditive und visuelle Genußfähigkeit bei der Medienrezeption, gerade in der heutigen Zeit, in der es von allen Seiten auf uns einprasselt.  Letztere halte ich für einen wichtigen Bildungsbereich der Medienbildung, bei dem wir in der Tat wieder beim Menschen selbst sind, und der heute meines Erachtens noch gar oder nur sehr rudimentär in der Diskussion steht. Ich meine die Medienpädagogik hat in dem genannten Umfeld noch genügend Aufgaben, die noch nicht befriedigend gelöst und systematisiert sind – der Autor sprach z.B. auch den schlüssigen Lehrplan an, so dass ich meine, dass es keiner Neuinterpretation Bedarf. Vielleicht kann sich die Wissenschaft mehr mit Konzepten und Strategien für eine systematische Umsetzung, die mit der Entwicklung Schritt halten kann, beschäftigen und nicht versuchen den Bildungsverantwortlichen, -organisationen und -einrichtungen vorne wegzulaufen.

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Veröffentlicht in edumedia, medienpädagogik

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