AHA's Blog

Produktion von Kunst, Kunstprodukte | 28. August 2010

Ein fiktiver Bericht der CologneCityNews:

Vergangenen Donnerstag gab es im Kulturzentrum im Rahmen der Medien-Kulturtage eine Diskussionsrunde zum Thema „Das Kunstwerk im Zeitalter des Internets“. Mit besonderem Interesse wurde die Diskussion zwischen der kanadischen Medienpädagogin Kim Meckluhen, dem bekanntesten deutschen Mashup-Künstler Benny Tilller und dem Philosoph und Literaturkritiker Benjamin Walter verfolgt. Benjamin Walter vertritt die Meinung, dass die Produkte der technischen Reproduktion, zu denen er auch Mashup-Werke zählt, die Originale in ihrer Einmaligkeit entwerten. Für Benjamin Walter bestechen traditionelle, handwerklich gestaltete Kunstwerke insbesondere durch Ihre Originalität, Einmaligkeit und Echtheit – er nennt es Aura. Kunst, die dagegen maschinell entsteht, kann in vielen Ausführungen überall sein. Das Internet verstärkt die Möglichkeiten der technischen Reproduktion als dass dieses die Digitalisierung von Kunstwerken beflügelt hat und einen fast unbegrenzten Zugriff auf Musik, Bilder und Literatur erlaubt. Darüber hinaus stellt es Werkzeuge zur Verfügung, mit Hilfe derer ein jeder Benutzer Werke vervielfältigen, verändern und manipulieren kann. Das Kunstwerk wird durch die technischen Produktionsmöglichkeiten zur Massenware und begegnet dem Betrachter überall. Er äußert Verständnis für Diejenigen, die sich für den Schutz des Urheberrechts, bzw. das Recht der Künstler der Originalideen stark machen.

Dagegen argumentiert der Medienpädagoge Kim, dass es das Internet und Web 2.0 ganz neue Möglichkeiten der Partizipation an Kunst und Kunstwerken bietet. Das von Künstlern Erschaffene kann nun von allen Benutzern sinnlich erfasst werden. Eine Diskussion der Kunstwerke ist über alle Internetteilnehmer hinweg möglich und die Medientechnik bietet die Möglichkeiten Kunstwerke in einem ganz neuen Zusammenhang zu sehen. Die Möglichkeiten moderner Medientechnik haben nicht nur die Jugendkultur verändert, sie revolutionieren auch die Vermittlung von kulturellen und pädagogischen Inhalten.

Der Mashup-Künstler Benny Tilller sieht das so: „Mit MashUps konservieren wir Bestehendes, damit daraus etwas Neues, Kreatives entsteht. MashUps gibt es nicht nur in der Musik – auch in Literatur, Kunst und Film werden derartige Collage-Techniken verwendet. Die schnell voranschreitende Digitalisierung des benötigten Rohmaterials spielt den MashUp-Künstlern dabei in die Arme und bietet viel kreativen Freiraum für Experimente. Ob man es nun Kunst nennen will oder nicht, spielt für uns keine Rolle. Wir sind Kreative und unsere Produktionen werden geschätzt und erfahren wachsendes Interesse. Häufig haben die Künstler der Originalen überhaupt keine Problem mit der Weiterverarbeitung ihres Materials, sondern es sind eher Diejenigen, die an den Rechten wirtschaftlich interessiert sind.“  Im Laufe der Diskussion entwickelte sich der gemeinsame Gedanke, dass die technischen Möglichkeiten im Zeitalter des Internets es nicht nur den kunsthandwerklich begabten, sondern  auch den technisch Geübten erlaubt kreativ gestalterisch tätig zu sein. Benjamin Walter bemerkte noch, dass das Interesse am Mashup Genre als quasi Vernetzung von Kunstwerken den globalen Trend zur immer stärkeren Vernetzung von Menschen und Organisationen widerspiegelt.

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Veröffentlicht in edumedia, medienpädagogik

2 Kommentare »

  1. Ich finde es schade, daß die Presse so oft nur die erste Hälfte von Walter Benjamins Statements aufnimmt. Klar, YouTube ist kein Hort der Aura, aber bedeutet das, daß Mash-ups keine Kunst sind? Es ist Massenkunst, die ihren Kultwert praktisch vollständig eingebüßt hat, aber die letztlich viel besser auf die Moderne und die Bedürfnisse des modernen Menschen eingestellt ist als auratische Kunst mit all ihrer Einmaligkeit, Echtheit und Tradition 😦

    Kommentar von Judith — 30. August 2010 @ 2:30 pm

  2. Am Ende des Artikels wird aber durchaus auch darauf eingegangen, dass Benjamin das Mashup Genre als Spiegel der Moderne und der Bedürfnisse der Menschen zur Vernetzung erkennt und versteht.

    Kommentar von sagshier — 14. September 2010 @ 9:06 am


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