AHA's Blog

Könnt ihr mich hören? – Ich höre nix… | 22. August 2009

Meine Studien-Lerngruppe hat inzwischen immerhin schon 4 Gruppenaufgaben gemeinsam bewältigt und in der 5. Gruppenaufgabe stehen wir mittendrin. Unsere Zusammenarbeit ist von Beginn an von einem respektvollen Umgang und gegenseitiger Wertschätzung der Mitarbeit geprägt. Der Umgangston ist salopp, freundlich und auch persönlich. Durch das Präsenzmeeting am Anfang des Studiums haben wir gegenseitig einen Eindruck bekommen, der sich in persönlichen Onlinekontakten, 1 zu 1, aber auch in Gruppengesprächen via Skype oder Connect gefestigt hat. Die Eindrucksbildung wird ergänzt durch das gegenseitige Aufsuchen der Profile in Xing oder das Lesen und kommentieren der Blogs der anderen Teilnehmer.

Unsere gemeinsame Arbeit gliedert sich meistens in folgende Phasen, die sich automatisch so logisch ergeben haben und deswegen auch von keinem in Frage gestellt werden:

  • Diskussion der Aufgabenstellung und Abstimmung unseres Vorgehens im Lerngruppenchat oder einem direkt nachgelagerten Online-Treffen,
  • individuelle Vorbereitung der Aufgabe (Lesen des jeweiligen Studienbriefes und anderer Materialien)
  • asynchrone Ideensammlung z.B. im Forum oder neuerdings auch mit Hilfe von concept maps
  • synchrones Online-Arbeitstreffen, zur Erarbeitung des Ergebnisses
  • asynchrone Aufbereitung des Ergebnisses (meistens durch 1-3 Personen)
  • asynchrone wiederholte Verbesserung oder Ergänzung durch alle und Abstimmung einer Finalversion
  • Präsentation oder Abschicken des gemeinsamen Ergebnisses an den jeweiligen Fachtutuor

Bisher habe ich die Gruppenarbeit immer so erlebt, dass sich jeder aktiv beteiligt hat und dass Aufgaben und Rollen immer freiwillig abwechselnd übernommen wurden.

Alle Teilnehmer haben sich im Connect – unserem Werkzeug für die Online-Konferenz, diszipliniert an die vereinbarten Kommunikationsregeln gehalten. Am Anfang wurde zwar wie wild nebenbei gechattet, aber das hat kontinuierlich abgenommen, wahrscheinlich weil die Probierphase vorbei ist und wir auch die Erfahrung gemacht haben, dass wir schnell aus der Zeit herauslaufen. Nun wird eigentlich sehr sachbezogen kommuniziert und erst nach Ende des Pflichtprogramms Persönliches ausgetauscht.Damit ist aber auch ein ganzes Stück Spontanität verloren gegangen.

Die Kommunikation in der Gruppe –asynchron über die Foren oder Mail und synchron über Connect und Skype – gibt mir in der Summe das Gefühl präsent zu sein und einer Gruppe von Mitstreitern anzugehören. Wir geben uns gegenseitig Anregungen, wie wir mit einem Stoff, einer Lernaufgabe oder auch mit den weiteren Studienabschnitten umgehen. Auch das Mittel „Feedback geben“ fördert nicht nur die Reflektion, sondern gibt einem auch das Gefühl mit anderen zu interagieren.

Nach meinem Gefühl ist es für den Moderator oder die Moderatorin immer dann schwierig, wenn das weitere Vorgehen nicht mehr klar vor Augen ist oder Uneinigkeit über die Ergebnistiefe oder die Ergebnisstruktur herrscht. Hier ist es bei einer Online-Sitzung schwieriger als bei einem F2F-Meeting einfach kurz mal Dinge auszuprobieren oder sich mit Blickkontakt Zustimmung für einen getätigten Schritt einzuholen.

Meistens kamen wir an der Stelle aber mit dem Mittel der Abstimmung relativ schnell weiter. Dies gibt in dem Moment dem Moderator auch wieder die Sicherheit, dass er alle Teilnehmer mit ihrer Meinung eingefangen hat. In unserer Lerngruppe ist eigentlich auch immer jemand mit einem Hinweis zu Zusatzmaterialien oder einem weiterführenden Link oder Hilfe zur Technik bei der Hand.

Das grösste Hindernis in der Zusammenarbeit stellt meines Erachtens immer wieder die Qualität der Sprachübertragung dar. Unsere Online-Konferenzen sind immer wieder in einem Zustand, dass wir Echo in der Leitung haben oder dass einzelne Teilnehmer nicht zu hören oder nur unterbrochen zu hören sind. Dies verunsichert mich beim Sprechen sehr, weil ich nie weiss, ob die anderen Teilnehmer mich auch verstehen. In diesem Moment fehlen beim Sprechen die non-verbalen Reaktionen der anderen Teilnehmer  wie wir sie im F2F Meeting erfahren. Ich habe das Gefühl, dass es den anderen ähnlich geht und uns allen die Gruppenarbeit signifikant erschwert.

Für mich persönlich habe ich in der Online-Kommunikation festgestellt, dass andere viel spontaner und kommunikativer sind als ich. Sie tauschen sich viel eher über aktuelle Gedankengänge aus, die ich meistens mit mir alleine ausmache, weil ich annehme,  dass sie in diesem Moment doch keinen interessieren. Ich rede in der Gruppen-Kommunikation eher aufgaben- und sachbezogen und spreche über persönliches, mich selbst betreffendes, eigentlich nur im privaten Gespräch oder F2F, wenn ich die Reaktionen des/der Kommunikationspartner besser einschätzen kann.

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1 Kommentar »

  1. Vielen Dank für die Reflexion Deiner Erfahrung mit Online-Gruppenarbeit. Ich finde es toll, dass Du das Vorgehen der Gruppe in der Zusammenarbeit so klar strukturiert auf den Punkt gebracht hast. Das klingt nach einer wohl-strukturierten und überlegten Zusammenarbeit 🙂
    Ich kann gut nachvollziehen, dass das Fehlen einiger Kommunikationskanäle gerade für die Moderation manchmal schwierig ist. Man möchte ja niemanden übergehen oder zu schnell zum nächsten Punkt übergehen. Die „social reduced cues“ durch Hinzunahme weiterer Medien oder Tools auszugleichen (wie durch Abstimmung) erscheint hier ein sinnvoller Weg.
    Viele Grüße
    Barbara

    Kommentar von Barbara Getto — 27. August 2009 @ 12:59 pm


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