AHA's Blog

Medien und die Sozialisation von Heranwachsenden

12. Oktober 2010
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In der Sozialisationsforschung wird untersucht welche Einflüsse auf die Entwicklung der Menschen und deren Identität wirken. „Menschen sind grundsätzlich durch alles beeinflussbar und dies über das ganze Leben hinweg.“ (aus Theoretische Grundlagen der Mediensozialisationsforschung).

Für Kinder und Jugendliche, die noch weniger festgelegt sind als Erwachsene, sind Bezugspersonen, aber auch die Medien und Medieninhalte wichtige prägende Akteure. Dabei werden Bezugspersonen wie die Familie, die die Gestaltung von Sozialisationsprozessen als eine Zielsetzung haben, und deren Wirkung ein besonders großes Gewicht zugeschrieben wird ,als primäre Sozialisationsinstanz bezeichnet. Medien werden eher als Sozialisationsagenten bezeichnet, da sie keinen expliziten Sozialisationsauftrag oder kein Autoritätsverhältnis zu ihrem meist anonymen Publikum haben. Oder Medien werden in den Bereich tertiärer Sozialisationsinstanzen eingeordnet (s. Hurrelmann 2002) mit einem ähnlichen Wirkungsgrad wie die Gruppe der Gleichaltrigen oder Freizeitorganisationen. Mittlerweile ist die Durchdringung der Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen durch Medien aber so feinmaschig und Medien sind so allgegenwärtig, dass der Stellenwert der Medien im Sinne der Relevanz für den Entwicklungsprozess von Kindern und Jugendlichen als steigend angesehen werden kann.

In der sozialkökologischen Perspektive spielt die soziale Vernetzung eine besondere Rolle. Hier ist die Kommunikation das zentrale Medium und die kommunikative Kompetenz wird als Erfolgsfaktor für ein Gelingen der Sozialisationsprozesse angesehen. Kinder und Jugendliche sind aus diesem Grund auf reichhaltige kommunikative Umwelten angewiesen. Die Medien bieten heute den Menschen neue Möglichkeiten sich kommunikative Umwelten zu erschließen und sich an Kommunikation aktiv zu beteiligen.

Auch aus der kultursoziologischen Perspektive versteht man Sozialisation primär als kommunikatives Handeln (Habermas, 1981) mit dem Ziel der emanzipatorischen Verständigung. Kinder und Jugendliche müssen demnach Fähigkeiten zur Strukturierung und Orientierung des eigenen Handelns erwerben, damit sie in den verschiedenen Lebensbereichen und Kontexten handlungsfähig sind. Dies gilt insbesondere auch im Umgang mit den Medien und für ihren Einfluss, da Medien einen impliziten Einfluss auf den Ein- und Anpassungsprozess der Individuen ausüben und ihm Verhaltensweisen, Einstellungen und auch Wissen vermitteln. (Schorb)

Nach der Primärsozialisation, die fast ausschließlich in der Primärgruppe Familie stattfindet, sinkt der Einfluss der Familie merklich und derer der Peergruppen steigt. In dieser Phase, der Sekundärsozialisation gewinnen Medien besondere Bedeutung. Es scheint gesichert zu sein, dass Medien Leitbilder vermitteln und dass diese, insbesondere wenn sie sich direkt an Kinder und Jugendliche richten, auf deren Identitätsbildung besonders nachhaltig wirken können. Dazu kommt, dass Studien seit den 70er Jahren belegen, dass die Mediennutzung die wichtigste Freizeitbeschäftigung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen darstellt und dass Kinder und Jugendliche Medien mehr und mehr individuell, selbständig und ohne Aufsicht nutzen, sich dort Wissen, Orientierung und Anregung holen und nach Bestätigung suchen. Mit der Konvergenz der Medien entsteht “für die Kinder eine neue “digitale Umwelt”, die noch mehr Funktionen … als zum Beispiel das Fernsehen übernehmen kann: Lernen (auf Abstand), Gruppenkommunikation, Konsum, Spiel, Produktion und Kreativität. Dies ist solange nicht problematisch, solange ein ausgewogenes Verhältnis zu konkreten Erfahrungsformen, wie Mitempfinden mit anderen oder hinreichende Entwicklung einer eigenen Identität in der konkreten sozialen Umgebung, gegeben ist.” (Mediaculture-Online, Jo Groebel Ergebnisse der UNESCO-Medienstudie und deutscher Untersuchungen)

Kinder und Jugendliche sollten in Bezug auf Mediennutzung und den Einfluss der Medien nicht als reaktives, sondern als aktives Individuum begriffen werden, welches die Fähigkeit zum eigenen gesellschaftlichen Gestalten und Handeln besitzt und nicht durch einen vorgegebenen Handlungsrahmen eingeschränkt werden kann. Eine pädagogische Zielsetzung sollte es demnach nicht sein den Zugang zu den Medien kontrollieren zu wollen, sondern Kindern und Jugendlichen zu ermöglichen sich in Form aktiver Medienarbeit den selbstverantwortlichen Umgang mit Medien anzueignen, Strukturen und Bedingungen von Kommunikation zu erkennen und zu nutzen und sich mit Medien und deren Inhalte kritisch auseinanderzusetzen.

Da die Primärsozialisation überwiegend in der Familie stattfindet und der Familienalltag auch in der Sekundärsozialisation einen Einfluss auf die Heranwachsenden ausübt, kommt in Bezug auf die Mediensozialisation der Medienkompetenz der Eltern eine besondere Bedeutung zu. Auf der anderen Seite sind die Kinder in der Bedienung der Medien oftmals sehr viel versierter als ihre Eltern, so dass diese nicht in der Lage sind nachzuvollziehen, was ihre Kinder mit Medien tatsächlich tun. Die Medienerziehung durch die Eltern ist oftmals inkonsequent und widersprüchlich, die Eltern scheinen aufgrund fehlender Hilfestellung überfordert. Aus meiner Sicht ist es daher ein wichtiger Ansatz, wenn über Medienbildung nachgedacht wird, mit der Medienbildung der Eltern zu beginnen.


Veröffentlicht in edumedia, medienpädagogik

Brain Drain

6. Oktober 2010
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Ich wüßte gern mehr von dem, was mein Vater wußte.

Der Videobeitrag „Japan- Das Wirtschaftswunder ergraut“ zeigt wie sich ein Land, in denen es immer weniger Kinder und immer mehr ältere Menschen gibt, in allen Facetten auf die alternde Bevölkerung einstellt: im Handel, in der Bildung, im Pflegebereich und in der Wirtschaft. Es werden nicht nur Produkte auf ihre Senioren-Tauglichkeit hin angepasst, sondern es entstehen vollkommen neue Produkte, die den immer stärker werdenden Anteil der Alten an der Bevölkerung Rechnung tragen. So werden die Senioren in Japan als wichtiger Wirtschaftsfaktor entdeckt. Dies gilt auch für die Wirtschaft und Industrie. Hier haben Firmen erkannt wie kostbar ältere Mitarbeiter mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung sind. In der Folge ist die Angst der Unternehmer vor dem Verlust des Wissens gewachsen. Zielsetzung dieser Unternehmen ist es Prozesse zur Wissensbewahrung und Wissensteilung in Kraft zu setzen, die in der Praxis zu einem Erfahrungstransfer führen. Älteren Mitarbeitern, die in Ruhestand treten werden Zeitverträge angeboten, um als Trainer für den Nachwuchs zu fungieren und ihre Wissen und ihre Erfahrung an den Nachwuchs in der Zusammenarbeit weiterzugeben. Beim reinen Wissenstransfer bleibt dies in der Praxis jedoch nicht, in der Zusammenarbeit von älteren Mitarbeitern mit viel Erfahrung und jungen Mitarbeitern, die in neuen Methoden geschult sind und neue Ideen und Ansichten mitbringen entsteht in den meisten Fällen immer auch neues Wissen, neue Fähigkeiten und Ideen, so dass hier auch von Wissensentwicklung gesprochen werden kann.

Der japanische Staat fördert den Prozess der Wissensbewahrung – allerdings mehr aus volksökonomischen Gründen -, in dem er das Rentenalter ab 2013 auf 65 Jahre erhöht und gleichzeitig den Firmen vorschreibt den Ruheständlern ein Angebot zur Weiterbeschäftigung machen zu müssen.

Auch Andere haben den Wert langjähriger Erfahrung erkannt und daraus ein Geschäft entwickelt. Das Angebot ist hier Wissen und Erfahrung von Senioren. Agenturen haben sich die Aufgabe der Wissensidentifikation gestellt mit dem Ziel Rentner und Senioren mit gefragtem Erfahrungsschatz an Firmen zu vermitteln. Für die Firmen stellt dies ein Wissenserwerb von außen dar.

Diese Aufgabe hat sich auch das Portal Erfahrung-Deutschland.de gestellt. Hier werden hochkarätige Spezialisten und Manager mit in Jahrzehnten aufgebauter Erfahrung gesucht (Wissensidentifikation) und an Firmen und Projekten für den Erfahrungstransfer also den Wissenserwerb oder die Nutzung deren Wissens für Problemlösungen  vermittelt.

Auch Bildungseinrichtungen haben die Alterspyramide ins Auge gefasst. Sie haben sich der Wissensverteilung angenommen. Das japanische Silvercollege verfolgt die Grundidee Wissen zu verbreiten, das Wissen der Alten durch Schulungen und Kurse zu ergänzen, sie im Anschluss im Unterrichten auszubilden, damit sie dannt über eigene Kurse ihr Wissen weitergeben.


Veröffentlicht in edumedia, Wissensmanagement
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